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Bordeaux 2002 - The Year of the Cab!


30.03.03 Sonntag

Auf der Prowein 2003 konnten wir bereits von vielen Händlern aus Bordeaux die ersten Einschätzungen des 2002er Jahrgangs hören, der ausnahmslos als Cabernet Sauvignon-, sprich Medoc-Jahrgang, gehandelt wird. Doch zu diesem Zeitpunkt hat bekanntlich jeder guten Wein in Bordeaux zu verkaufen, und bevor man die Weine nicht selbst verkostet hat und die Bewertungen der einschlägigen Journalisten vorliegen, lässt sich wenig über die tatsächliche Qualität sagen. Es war ebenfalls bekannt, dass der „Robin Hood“ der Connaisseure Europa dieses Jahr aufgrund der Kriegssituation im Irak fernbleiben würde. Dieses nicht ganz unwichtige Signal wird uns allen zugute kommen, wenn es um die Preisfindung des Jahrgangs geht - dazu an anderer Stelle mehr! So hieß es dann an diesem Sonntag: auf nach St. Emilion! Dieses Jahr haben wir eine antizyklische Route gewählt und beginnen im St. Emilion bzw. Pomerol und wechseln danach ins Medoc.

31.03.03 Montag

Einen Tag vor den großen offiziellen Verkostungen der Union de Grand Cru besuchen wir nur die Winzer, die nicht daran teilnehmen werden. Wir beginnen um 9 Uhr bei Denis Durantou auf Château Eglise-Clinet. Leider sind alle Weine maximal 8° Celsius „warm“ und daher äußerst schwierig zu bewerten. Petit Eglise macht den Anfang: saftig, mittelgewichtig, vom Merlot getragen. Château Eglise Clinet selbst macht da schon mehr Freude: 80% Merlot und 20% Cabernet Franc ergeben einen Wein geprägt von saftiger Schwarzkirsche, vollmundig und mit viel Schmelz. Monsieur Durantou berichtet von einer Mengenreduzierung um 20%: Bei nur 4,5ha und einer durchschnittlichen Menge von ca. 18.000 Flaschen ist das schon ein wirtschaftlicher Einschnitt!

Unser nächster Termin führt uns zu Alexandre Thienpont auf Vieux Château Certan. Das Château ist eines der ältesten des Pomerol und wird voller Ehrfurcht vor dem Terroir und der Historie geführt. Blockbuster-Weine, denen mit der Umkehrosmose oder dem Concentrateur auf die Sprünge geholfen wird, lehnt Thienpont ab! Er vinifiziert einen klassisch-eleganten Pomerol, der seinen Charakter und die Individualität durch den Cabernet Franc erhält. Wir verkosten mehrere Muster aus verschiedenen Fässern - jedes ist etwas unterschiedlich. Thienpont ist kein großer Freund dieser Verkostungen, da sich die Weine seiner Meinung nach noch in einem zu frühen Stadium befinden und somit noch nicht ihr wahres Gesicht zeigen. Das Cuvee wurde erst vor 10 Tagen aus 60% Merlot und 40% Cabernet Franc verschmolzen. Ein vornehmer Pomerol: Seidig und sehr harmonisch, elegant, gut ausbalanciert und mit fein geschliffenen Gerbstoffen wird das später mal ein großer Pomerol!

Es geht weiter zu Château Cheval-Blanc - wir beginnen mit Petit Cheval: ein reichhaltiges Bouquet von dunklen Früchten, gut strukturiert, vollmundig, saftig, gute Länge! Der Grand Vin verströmt den Duft von Tabak, Leder und Gewürzen. Leicht süßliche Frucht, seidig, elegant und am Gaumen eher mittelgewichtig, was der Kälte des Musters zuzuschreiben ist.

An Stelle eines Mittagessens entschließen wir uns zu einem spontanen Besuch des "Cercle Rive Droite de Grands Vins de Bordeaux" - ein Zusammenschluss der Weingüter des rechten Ufers inklusive einer stattlichen Anzahl von Teilnehmern der so genannten Satelliten. Hier treffen wir zuerst auf unseren "Brot und Butter"-Wein= Château Jonqueyres: fruchtig elegant mit leichtem Tabak-Anklang und einer guten Struktur. Kein "Blockbuster", aber klassisch und korrekt vinifiziert. Die Bewertung von Suckling: "Watery and herbal", 75-79, ist für uns ABSOLUT nicht nachvollziehbar! Müssten wir Punkte vergeben, würde der Wein irgendwo in der 2. Hälfte der 80er Punkte liegen! Als Nächstes probieren wir von der Familie Despagne Château Tour de Mirambeau, ein großartiger Bordeaux Superieur: ansprechende Süße, gute Länge, sehr ausgewogen, fein ausbalanciert und nachhaltig! Ein Wein, der viel Freude bereitet, wenn das PLV (Preis-Leistungs-Verhältnis) stimmt! Dann ist Château Fougas Maldoror an der Reihe: gute Balance, extraktreich, nachhaltig und ausgewogen, schön! Das Cuvee besteht aus 50% ML und je 25% CS & CF. Château Cap de Faugeres besticht durch seine Würze und ansprechende Frucht, ebenfalls schön! Château Fontenil, das Weingut von M. Rolland himself, präsentiert sich seidig-elegant und mittelgewichtig. Dann noch eine Neuentdeckung: Château du Gaby aus dem Canon Fronsac. Aus 85% ML, 10% CS und 5% CF wird seit 1999 unter neuer Leitung ein sehr gehaltvoller Wein vinifiziert: saftig-fruchtig, mit einer guten Portion Würze, vollmundig und nachhaltig - ein Wein mit einem sensationellen PLV! Den Pomerol-Bereich der Verkostung beginnen wir mit Château Beau-Soleil: erneut die seidige Eleganz par excellence. Château Bon Pasteur, das zweite Weingut von M. Rolland, besticht mit seiner Stoffigkeit; gehaltvoll und elegant! Château Clinet ist dagegen finessenreicher, seidiger, eleganter, homogener und kraftvoller. Château La Croix du Casse: mittelgewichtig, seidige Süße mit einer ansprechenden Struktur und guten Balance. Château La Pointe kommt mit einer famosen Struktur, nahezu perfekten Balance und äußerst kraftvoll daher. La Fleur de Bouard von Mr. Angelus ist ein Gedicht: Schwarzkirsche, enorme Struktur, saftig, gute Balance, sehr gut! Château Patris, der angehende Klassiker des St. Emilion, präsentiert sich druckvoll, volumenreich, mit leicht süßlicher Furcht und einer schönen Balance. Bravo!

Nach einer kurzen Stärkung verlassen wir den Ort des Geschehen und machen uns auf in das malerische St. Emilion, um einen Blick in die Hexenkessel von Thunevin zu werfen. Wir beginnen mit Château Fombrauge, und direkt erkennen wir die Thunevin-Handschrift: extraktreich, sehr intensive Frucht, konzentriert und trotzdem mit einer guten Balance! Mit Château Magrez Fombrauge probieren wir dann praktisch die Essenz des erstgenannten Weines: nochmals ein Zugewinn an Frucht, Finesse und Struktur, famos! Mit Château La Tour Carnet testen wir den ersten Wein des Medoc: Aus 49% CS, 43% ML, 6% CF und 2% PV wird ein äußerst gehaltvoller und extraktreicher Wein vinifiziert. Beeindruckende Struktur und eine ausgeprägte Frucht, bravo!

Château Peby Faugeres fasziniert mit einer enormen Portion Schwarzkirsche und äußerst saftigen Tanninen, nachhaltig im Abgang. Château Gracia „verwöhnt“ die Zunge mit äußerst trockenen Gerbstoffen, einer spröden Süße, trotzdem mit guter Balance und einer saftigen Frucht. Für meinen Geschmack leider etwas zu extrahiert - weniger ist manchmal doch mehr! Château Maugey kommt etwas grasig daher, der Malbec mit 40% Anteil scheint mir hier etwas zu dominant und nicht zur perfekten Reife gekommen. Mit Château La Fleur Mongiron probieren wir unseren St.Emilion-Klassiker: enorme Frucht, vollmundig und saftig! Wieder ein gutes PLV, für Freunde des Stils der „Garagisten“ empfehlenswert! Mit Clos St. Martin kommen wir zu einer Ikone der Garagenweine, die ihrem Ruf gerecht wird: äußerst extraktreich, tanninreich, trotzdem gute Balance, sehr würziger Nachhall, intensiv und langanhaltend, groß!

Clos Badon, von Thunevin selbst, präsentiert sich dieses Jahr ungewohnt zurückhaltend und nicht so aufdringlich wie in vergangenen Jahren, mildes Extrakt und eine gute Balance, schön! Virgine de Valandraud ist dagegen genauso wie erwartet: extraktreich mit satten Gerbstoffen, saftig und einer guten Balance. Valandraud selbst ist dann absolute Champions League: beeindruckende Frucht, volumen- und extraktreich, saftig, zum Kauen, mit einem lang anhaltenden Finish!

Wir ziehen weiter zu Stephan Graf von Neipperg auf Château Canon-la-Gaffeliere und verkosten mit ihm persönlich seine Weine. Wir beginnen mit Clos Marsalette: Dieser Wein ist das Pessac Leognan-Engagement von Monsieur Neipperg. Aus 60% ML, 30% CS und 10% CF wird auf 7ha ein fantastischer Wein vinifiziert: extraktreich, fruchtig-saftig und mit einer guten Balance zu einem interessanten PLV (deutlich unter 20€). Als nächstes ist Château d’Aiguilhe an der Reige. Aus 75% ML und 25% CF ist es ihm einmal mehr gelungen, einen der besten Weine des Castillon zu vinifizieren: tief, nuancenreich, sehr fein, seidige Eleganz, dabei trotzdem saftig und kraftvoll mit einem intensiven Finish! Bravo!

Neben den messbaren Werten zur physiologischen Reife der Trauben ist für Stephan Graf von Neipperg letztendlich sein Gaumen das ausschlaggebende Instrument für die Wahl des Erntezeitpunktes, in diesem Fall erst der 5. Oktober. Zum Vergleich: Château Cheval-Blanc erntete 20.09. bis 08.10.! Genau hier scheint die Krux des Jahrgangs zu liegen: Der Zeitpunkt der Lese war essentiell wichtig für die Weine und entscheidet nun über Mittelmaß und die guten bis sehr guten Qualitäten dieses schwierigen Jahrgangs (vgl. Resümee am Schluss). Als Nächstes verkosten wir Château Clos de l’Oratoire, der durch seine seidige Struktur besticht. Kraftvoll und elegant, fast mächtig und finessenreich. Von diesem Wein werden im Vergleich zum Vorjahr 35% weniger Flaschen abgefüllt. Château Canon-la-Gaffeliere präsentiert sich als seidiger Kraftprotz: 45% Cabernet Franc hinterlassen ihre Spuren!
Beeindruckende Frucht, feine Dominanz des CF, Zartbitterschokolade, ansprechende Würze, absolut vollmundig und saftig - bis dato der beste St. Emilion des Tages für uns! Hier fehlen dieses Jahr nicht weniger als 40% zum 2001er Jahrgang. Wir widmen uns Château La Mondotte: 75% ML und 25% CF sind die harten „Fakten“ sowie Garanten für einen außerordentlichen Wein: feingliedrig, komplex, tief, nuancenreich, etwas unnahbar, enorme Struktur, dazu dann eine saftige Frucht am Gaumen, voluminös, bestens eingebundene Gerbstoffe und ein intensives, lang anhaltendes Finish. Bravo! Der „Ausfall“ beträgt hier satte 50%; trotzdem hat man uns versichert, die Preise um 20 bis 30% zu senken. Trotz dieser signifikanten Mengeneinbußen ein positives Signal! Mehr zur Preis-Thematik finden Sie wie erwähnt im Resümee.

Wir ziehen von dannen, um uns mit keinem Geringeren als Alain Vauthier von Château Ausone zu treffen. Wir beginnen hier mit Château Fonbel, einem Saint Emilion Grand Cru, das sich seit Jahren im Besitz der Familie befindet. Der Wein verfügt über eine sehr warmherzige Frucht, eine gute Balance; saftig und elegant. Als Nächstes widmen wir uns Château Moulin-St-Georges, ebenfalls ein Saint Emilion Grand Cru der Vauthier-Familie. Ein blitzsauberer, klar strukturierter, saftiger Wein. 70% ML, 10% CF, 10% CS und 10% PV steuern ihren Beitrag zur Assemblage bei und ergeben einen ehrlichen Saint Emilion-Wein mit einem guten PLV. Der Grand Vin [55% CF und 45 % ML] selbst ist dann die Essenz bordelaiser Weinkunst des rechten Ufers: tiefgründig, nuancenreich, leicht süßliche, aber natürliche Frucht, homogen, würzig, äußerst komplex, dicht und unergründlich mit einem finessenreichen, saftigen Finale – très bon! Aufgrund der fallenden Preise überlegt Alain Vauthier, ob er diesen sensationellen Jahrgang für Ausone überhaupt en primeur offerieren wird. Aus Perspektive des Winzers eine nachvollziehbare Entscheidung, aber für Sie, den Sammler, wäre es wünschenswert, den Wein jetzt der allgemeinen Preisentwicklung folgend zu vorteilhaften Preisen en primeur einkaufen zu können.

Ein erlebnisreicher Tag geht zu Ende, und wir machen uns auf den Weg ins Bergerac zu Olivia Donnan auf Château Masburel. Von hier gibt es Großartiges zu berichten, und wir werden dies in einem separaten Bericht näher erläutern, zumal wir den 2002er Lady Masburel und Château Masburel erstmalig auch in Subskription offerieren können!

01.04.03 Dienstag

Der Trubel der Union de Grand Cru beginnt, und wir stürzen uns am Rande von St. Emilion auf Château Clos Fourtet ins Getümmel. Mit A wie Château Angelus nimmt das Schicksal seinen Lauf: unheimlich tiefe Frucht, gute Balance, viel Schmelz, Zartbitterschokolade, aber "nur" mittelgewichtig. Château Beausejour-Becot besticht mit viel Vanille in der Nase, volumenreich, sehr ausgeglichen, harmonisch und weich. Gut! Château Clos Fourtet selbst ist von reifer Schwarzkirsche geprägt, mit viel Tanninen und Zartbitterschokolade. Château Figeac: tiefe Farbe, leichter Anklang von schwarzen Brombeeren, merkliches Tannin, wird vom Alkohol getragen, "heißes" Finish! Château Grand-Mayne: süße Schokolade, sehr ansprechender Körper, sehr gute Balance, schön! Château La Dominique setzt mit einem ausdrucksstarken Körper und einer gehörigen Portion Gerbstoffe noch einen drauf. Château Larmande: feinnerviges Vanille Bouquet, leicht süßliche Frucht, gute Balance, fein, gut! Bei T wie Château Troplong-Mondot haben wir dann auch die erste Etappe geschafft: tiefdunkel, enormes Volumen, Kirschextrakt, intensiv und nachhaltig. Bester Wein dieser Verkostung!

Wir begeben uns zu Château Beauregard, um die hier vertretenen Pomerols zu probieren. Der Beauregard selbst beeindruckt mit seiner seidigen Eleganz und durch sein ansprechendes Volumen. Château Clinet legt erwartungsgemäß nach, wobei es sich um eine absolute Potentialeinschätzung handelt, da der Wein sehr verschlossen ist: viel Holz, zarter Fruchtansatz, insgesamt nuancenreich, seidige Tannine, aber im Gesamtausdruck hinter seinen Möglichkeiten bleibend, daher eine reine Potenzialeinschätzung! Im ersten Eindruck ist da selbst ein Château Gazin aufschlussreicher: Saftig und ansprechend prägen samtige Tannine diesen Wein. Château La Cabanne ist wie gewohnt äußerst gefällig und elegant. Kein Blockbuster, eher klassisch. Mit Château La Conseillante kommen wir zu einem echten Highlight des Pomerol: Den Duft von reifen Pflaumen verströmend, präsentiert sich der Wein ausgewogen, finessenreich und mit viel Schmelz. Klasse! Château La Pointe holt uns wieder etwas auf den Boden der Tatsachen zurück: saftige Schwarzkirsche, leicht schokoladig, feine Balance und mit Sicherheit ein gutes PLV! Château L\'Evangile aus der Domaine [Lafite] Rothschild Gruppe ist für uns zweifelsfrei das Highlight der Pomerol-Verkostung: saftiges Kirschextrakt, viel Druck, nachhaltig und nuancenreich. Seidige Tannine und ein lang anhaltendes Finish! Bei Château Petit-Village endet der kleine Pomerol-"Rundflug": leicht süßliche Schwarzkirsche, frisch und saftig, ansprechende Struktur. Klasse!

Wir machen uns auf den Weg nach Pessac, um auf dem Château Malartic-Lagraviere den dortigen Weinen unsere Aufwartung zu machen. Wir verkosten hier ausschließlich die Rotweine und verzichten auf die Weißweine, da unsere Zunge jetzt bestens geeicht ist. Mit Château Chantegrive beginnen wir: eine saftige Portion Süße, gute Länge, leicht beißende Tannine, aber noch angenehme Balance, würzig. Château Carbonnieux verkostet sich auch dieses Jahr wieder sehr gut: intensives Cassis, viel Extrakt und Würze, saftig und authentisch! Domaine de Chevalier legt hier noch nach: stoffige Würze, leichte Süße, ausgewogen, nuancenreich und vollmundig. Château Haut-Bailly: trockene Würze, Schwarzkirsche, eine satte Portion Gerbstoffe, trotzdem relativ ausgewogen. Château Haut-Bergey kann fast an den Erfolg des 2000er anknüpfen: Johannisbeere, extraktreich, saftig, gute Länge, intensiver und langer Abgang. Château Larrivet Haut-Brion fasziniert mit einer guten Portion Süße und stoffigen Tanninen, vollmundig, intensiv.

Mit Château La Tour-Martillac kommen wir das erste Mal mit äußerst trockenen Gerbstoffen in Kontakt, wie wir sie auch später im Medoc noch das eine oder andere Mal antreffen werden. Nach dem "Genuss" dieser Weine scheint der Mund auszutrocknen, und man verspürt regelrecht das Bedürfnis, sofort ein Glas Wasser zu trinken. Diese Intensität macht es sehr schwer, mehr Sinneseindrücke festzuhalten. Bei Weinen diesen Stils bleibt abzuwarten, was sich im Laufe der Jahre in der Flasche entwickelt. Château Les Carmes Haut-Brion bereitet in diesem Jahr nicht wirklich viel Freude: Schürt vordergründig mit Cassisaromen die Spannung, kann dann aber nicht mehr überzeugen: mittelgewichtig, leicht schwachbrüstig und insgesamt sehr verhaltener Körper. Château Pape Clement kommt leicht mineralisch-grasig daher, trotzdem angenehme Süße, voll im Ausdruck und extraktreich. Schön! Auf die Verkostung von Château Picque Caillou hätte man getrost verzichten können: leichte Johannisbeere, dann äußerst oberflächlich, mittlerer Körper, fast dünn, uneinheitliche Textur. Château Smith-Haut-Lafitte bereitet da schon mehr Freude: Äußerst klassisch in der Nase, deutlich Cabernet Sauvignon-dominiert. Paprika, Würze, leicht "grün", aber trotzdem homogen!

Logistisch ungünstig, aber vinologisch sinnvoll fahren wir von Pessac, dem äußersten Randgebiet der Stadt Bordeaux, wieder in Richtung Zentrum zu Château La Mission Haut-Brion, anstatt sofort im Pessac zu bleiben und auf Château Smith-Haut-Lafitte die Botrytisweine zu verkosten. Eine Verkostung auf Château La Mission Haut-Brion ist jedes Jahr erneut ein Erlebnis der besonderen Art. Neben der Qualität der Weine sind es vor allem die freundliche und herzliche Aufnahme sowie die umfangreichen Informationen, die hier im Vordergrund stehen. Mit La Chapelle de La Mission Haut-Brion (65% CS, 32% CF, 3% ML), dem Zweitwein von La Mission, starten wir. Sofort wird klar, dass wir nun die "Champions League" des Pessac-Leognan verkosten. Leicht grasiger Cabernet, Paprika, vollmundig, saftig, voluminös und ein intensives Finish. Mit Château Bahans Haut-Brion (47% CS, 30% ML, 21% CF,2% PV) ist nun der Zweitwein von Haut-Brion an der Reihe: tiefes Cassis/Purpur, Gewürze, sehr fein und elegant, komplex, insgesamt etwas spröder als La Chapelle. Château La Tour Haut-Brion (51% ML, 30% CS, 19% CF) ist von einer generösen Frucht geprägt, reichhaltig und intensiv, wieder saftig und leichte Paprika. Es fehlt etwas der allerletzte Kick, aber trotzdem ein ausgezeichneter Wein, klasse!

Nun wird es spannend, und wir nähern uns der Frage, wer dieses Jahr das Rennen macht: La Mission oder Haut Brion? Grundsätzlich sind die Weine in normalen bis guten Jahrgängen derart geprägt, dass sich der La Mission in der Jugend eher hölzener, kantiger, eckiger gibt und der Haut-Brion mit seiner Tiefe, Eleganz und Reichhaltigkeit mehr überzeugen kann. Aber in wirklich großen Jahrgängen, wenn alle Umstände nahezu perfekt sind, überflügelt der La Mission den größeren Bruder und ist an Finesse, Eleganz und purer Kraft dem Haut-Brion überlegen. Die Weingüter werden nur durch eine Ausfallstraße getrennt, daher ist die Leitung beider Weingüter eine sehr große Herausforderung, da der permanente interne Wettbewerb stets allen Beteiligten Höchstleistungen abfordert.

Château La Mission Haut-Brion (52% ML, 48% CS): leicht spröde Frucht, Kompott, Pflaume, kernige Gerbstoffe, intensiv, saftig und langanhaltend. Merklicher Unterschied zum Zweitwein, der aber deutlicher sein könnte!

Château Haut-Brion (51% ML, 40% CS, 9% CF) sehr dicht, tiefschwarz, feminin, rund, große Harmonie und Eleganz, leichter Tabak, vollmundig, extraktreich, leicht pikante Süße im langanhaltenden Abgang! Bravo!

02.04.03 Mittwoch

Wir beginnen den Tag mit einem Besuch bei Madame Casqueton auf Château Calon-Segur. Nicht erst seit dem sensationellen 2000er Jahrgang gehört dieses Weingut zur absoluten Spitze des St. Estephe! Das Herz auf dem Etikett dieser Flaschen stammt aus der Zeit, als das Weingut neben Lafite-Rothschild und Latour dem Marquis de Ségur gehörte. "Mein Herz schlägt für Calon", erklärte er eines Tages seine Liebe. So führt uns Madame Casqueton vorbei an hölzernen Gärbottichen in einen aristokratisch-sakralen Verkostungsraum. Die kühlen, kargen steinernen Wände verbreiten die Stimmung eines Gotteshauses, und man fühlt sich in die Zeit des Marquis de Ségur versetzt. Auch dieses Jahr ist der Wein phänomenal: reife Schwarzkirsche, viel Schmelz, Vanille, "trockene" Schwarzkirsche am Gaumen, saftig, gute Balance, enorm facettenreich, leicht kantig und natürlich intensiv dabei. Eindrucksvolles Zeugnis bordelaiser Weinkunst, bravo!

Als Nächstes erwartet man uns auf Château Montrose: mit La Dame de Montrose beginnen wir, reife Schwarzkirsche, runde, körnige Gerbstoffe, komplexe Frucht, gut! Der Grand Vin ist dezent zurückhaltend in der Nase, dann aber ausdrucksstark mit sehr fein geschliffenen Tanninen, Zartbitterschokolade, leicht parfümiert und bestens strukturiert - kann leider mit Calon-Segur nicht mithalten.

Unser nächster Termin führt uns zu Jean-Guillaume Prats auf Château Cos d\'Estournel. Mit Château Marbuzet (50% ML, 50% CS) beginnen wir: leichte Süße in der Nase, gute Balance, homogen, authentisch und intensiv. Top PLV! Mit Pagodes de Cos geht es weiter, leichter Anflug von Paprika in der Nase, animalisch, süßlicher Anfang, fein ausbalanciert und fest in der Struktur. Nun "dürfen" wir auch den Grand Vin probieren: reichhaltig, authentisch und terroirgeprägt an der Nase, massive Frucht, sehr elegant und finessenreich, wuchtig, saftig, extraktreich, ein Traum! Den ersten Platz des St. Estephe teilen sich dieses Jahr Cos und Calon Segur, spätere Verkostungen von der Flasche werden dies evtl. nochmals verifizieren. Unangefochtener Zweiter ist Montrose!

Wir begeben uns zur ersten Union-Verkostung des Medoc zu Château Pontet-Canet. Château Beychevelle kann überzeugen: voluminös, extraktreich, gute Portion Süße, dezente Tannine. Château Branaire-Ducru präsentiert sich saftig, mittelgewichtig, Extrakt und Finesse fehlen etwas. Château Gruaud-Larose verkostet sich da schon wieder besser: tiefdunkel, kein Charmeur, eher maskuline Frucht, massive Gerbstoffe. Etwas St. Julien-untypisch! Château Lagrange: animalisch, Röstaromen, gute Balance, stoffig, aber insgesamt eher zurückhaltend. Dann kommen wir zur Überraschung des St. Julien - Château Langoa-Barton: leicht parfümierte, gekochte Früchte, portweinartig, ausdrucksstark, ein Traum von einem Wein, finessenreich, voluminös, extraktreich, saftig und perfekt eingebundene Tannine! Best of St. Julien? Da kann selbst Château Leoville-Barton dieses Jahr nicht mithalten: Cassis, äußerst trockene Gerbstoffe, gute Struktur, aber maskulin und vom Cabernet-Sauvignon dominiert. Weniger fruchtige Süße und Saftigkeit als in den vergangenen Jahren. Château Léoville Poyferré: wieder Cassis in der Nase, leicht süßliche Frucht, auch vom Cabernet Sauvignon getragen, extraktreich und trockene Gerbstoffe. Insgesamt etwas schmeichelnder als Barton. Château Talbot bereitet da mehr Freude: leicht süße, parfümierte Nase, portweinartig, gekochte Früchte und Johannisbeere. Am Gaumen saftig und ansprechend strukturiert.

Mit Château Croizet-Bages wechseln wir vinologisch ins Pauillac: leichte Paprika und wieder vom Cabernet geprägt. Sehr warmherzige und offene Art, leicht saftig. Château Grand Puy Ducasse ist als Nächstes an der Reihe: leicht parfümiert, maskuline Frucht und äußerst strenge Gerbstoffe. Mit Château Haut-Bages Liberal kommen wir erneut zu einem "Tanninbrocken": tiefdunkel, rote Paprika, scharfe Würze und massive Gerbstoffe, die den Wein dominieren! Aufgrund der massiven Gerbstoffe ein Wein, der von der amerikanischen Presse immer wieder hochgelobt wird. Mit Château Lynch-Bages kommen wir zum vorläufigen Höhepunkt: tiefdunkel, reife Brombeere, weich, gute Balance, saftige Struktur, finessenreich und ein intensiver Abgang, bravo! Château Pontet-Canet ist überraschenderweise seinem Vorgänger ebenbürtig: tiefdunkel im Glas, eine gute Portion Süße, vollreif und nachhaltig. Saftig und mit viel Schmelz ist dieser Wein äußerst extraktreich und intensiv, klasse! Nach einer Stärkung begeben wir uns zu Château Mouton-Rothschild, um dort mit Petit Mouton 2001 zu beginnen: zarte Schwarzkirsche, vollmundig, saftig, voluminös und extraktreich. Da kein 2002er produziert wurde, hat man uns den Vorgänger verkosten lassen. Als nächstes Château ist d\'Armailhac an der Reihe: finessenreich, extraktreich, sauber vinifiziert, klar strukturiert und gut eingebundene Gerbstoffe, viel Schmelz, klasse! Mit Château Clerc Milon verkosten wir einen faszinierenden Wein: vollreifer Cabernet, ansprechende Struktur, deutlich saftiger und extraktreicher als d\'Armailhac, leicht trockene Gerbstoffe im intensiv würzigen Abgang, sehr schön! Die Leser unserer Reiseberichte der vergangenen Jahre können nachvollziehen, warum nun mit großer Spannung der Grand Vin erwartet wurde: perfekt ausgereifter Cabernet, voluminös, saftig-süß, extraktreich, Schwarzkirsche, bombastische Frucht und bestens eingebundene Tannine! Dieses Jahr der wahre Premier Cru, groß!

Um dieses Urteil zu überprüfen, fahren wir zu Château Lafite-Rothschild. Mit Carruades de Lafite (46% ML, 51% CS, 1%CF, 2%PV) beginnt die Verkostung: leicht portweinartige Nase, gekochte Pflaumen, sehr voluminös, fein strukturiert und stoffig. Etwas körnige Gerbstoffe und ein donnernder Nachhall. Top PLV! Mit Duhart-Milon (75% CS, 22% ML, 3% CF) geht es weiter: tiefdunkel, Schwarzkirsche, nuancenreich, hervorragende Balance, deutlich vom Cabernet dominiert. Der Grand Vin (87% CS, 9,5% ML, 3,5% CF) ist mal wieder an Reichhaltigkeit nicht zu überbieten: betörende Süße, stoffig, saftig, enorm extraktreich; den Cabernet-Sauvignon so zu vinifizieren, gelingt nur einer überschaubaren Anzahl von Weingütern! Bordeaux par excellence! Dieses Jahr erneut Lafite vor Mouton, wobei der Vorsprung von Mouton verringert wurde.

Die nächste Union-Verkostung erwartet uns dann auf Château Maucaillou. Wir beginnen mit Château Chasse-Spleen: äußerst klassisch vinifiziert, gute Textur, terroirgeprägt und authentisch. Dann Château Maucaillou: tief und dicht, aber leider zu stark tanningeprägt, sehr trockene und intensive Gerbstoffe, die den Wein dominieren. Mit Château Poujeaux geht es weiter: an der Nase wieder sehr intensiv und reichhaltig, leichte Süße am Gaumen, aber auch wieder diese erdrückende Dominanz der trockenen Gerbstoffe. Mit Château Clarke gelangen wir ins Listrac: gute Substanz, gefällig, saftig, würzig, aber sehr trockene Gerbstoffe. Auch Château Fourcas-Hosten macht nicht recht Freude: relativ "schlapp" mit grünen und trockenen Gerbstoffen. Château Beaumont präsentiert sich klassisch bis traditionell. Der Cabernet dominiert den Wein auf angenehme Art und Weise. Saftig, frisch, gut ausbalanciert und terroirgeprägt. Mit Château Camensac geht es weiter: gute Balance, extraktreich, voluminös und authentisch. Leichte Zartbitterschokolade im Abgang. Château Cantemerle: frische Schwarzkirsche, süße Frucht und eine gute Balance. Château Citran: leicht parfümierte Nase, rote Kirschen, Brombeeren, starke Frucht und wieder trockene Gerbstoffe. Die Primäraromen von Château La Lagune dominieren den Wein, ohne den passenden Körper oder die entsprechende Struktur vorweisen zu können. Zum Abschluss dieser Verkostung kredenzt man uns einen herrlichen Château La Tour de By: warmherzig, ein Charmeur und Schmeichler, gute Süße, nachhaltig, saftig mit bestens eingebundenen Gerbstoffen. Klasse!

Als Nächstes fahren wir zu Château Pichon-Baron und beginnen dort mit Tour-Pibran (60% ML, 40% CS): leicht portweinartige Süße, gutes Volumen/Extrakt, fest, saftig mit viel Genuss! Dann Château Pibran (55% CS , 45% ML) selbst: Vanille, Schlehe, harmonisch und erstaunlich weich für ein Cabernet-dominiertes Cuvée. Nun Château Pichon-Baron (65% CS , 35% ML): intensives Cassis, leicht animalisch, vollmundig saftig, gradlinig, fest, leicht aggressive Tannine, aber auch wieder elegant und finessenreich. Die Anlagen zum Klassiker! Auf Nachfrage können wir auch noch den 2001er und 2000er verkosten. 2001: leicht portweinartige Nase, gekochte Früchte, Schmelz, Frucht, generös und finessenreich. Durch die längere Fasslagerung der molligere Wein, obgleich der 2002er druckvoller daher kommt und von uns bevorzugt wird. Der 2000er protzt mit immenser Frucht, Konfitüre und wieder Portwein. Leicht kalifornisch, eine Opulenz par excellence. Allen drei Jahrgängen ist ein klassischer Stil gemein, der sich trotz dreier so unterschiedlicher Jahrgänge durch alle Muster zieht. DER konstante Klassiker des Bordelais!

Wir wechseln kurz die Straße und sind bei Château Pichon-Lalande (51% CS, 34% ML, 9% CF, 6% PV) zu Gast: leicht verschlossen, trotzdem ansprechende Würze, dicht und intensiv, nicht ganz die Süße eines Baron, dafür aber klassischer und eleganter.

Auf Château Ducru-Beaucaillou beginnen wir mit Haut-Batailley: reife Schwarzkirsche, bestens eingebundene Tannine, würzig, saftig und authentisch. Finessenreich und interessant! Danach dann Château Grand Puy Lacoste - dieses Jahr leider nicht ganz so überzeugend: Gute Balance und Struktur, aber es fehlt die Finesse und Eleganz vergangener Jahre. Im Abgang fällt der Wein etwas zusammen. Mit Château Ducru-Beaucaillou kommen wir dann zum puren St. Julien-Gewächs: schwarze Brombeeren, elegant, spitze Süße, gute Balance und feste Tannine. Ein klassischer und authentischer Ducru! Ein anstrengender Tag findet an dieser Stelle sein vinologisches Ende, und wir ruhen uns für den letzten Verkostungstag aus.

03.04.03 Donnerstag

Wir beginnen den letzten Tag auf Château Lascombes für die Union-Verkostung der Margaux-Appellation. Da wir die Ersten sind und noch nicht alle Weine zur Verfügung stehen, ist die Reihenfolge etwas durcheinander. Château Labegorce Zede macht den Anfang: schwarze Brombeere, Zartbitter, gut eingebundene Tannine, schöne Balance und erstaunlich finessenreich für dieses Gewächs! Nach einer zweiten Verkostung kann der Wein auch mit den Klassikern Kirwan und Giscours mithalten. Château Kirwan: grüner Pfeffer in der Nase, runde, weiche Frucht, fein und mittelgewichtig. Leicht mineralisch und auch wieder saftig. Château Lascombes: viel Schmelz, doch zu dominante Gerbstoffe ohne den passenden Mittelbau. Kann leider nicht an den Erfolg des 2000er anknüpfen. Château Malescot-St-Exupery kommt leicht parfümiert daher, dann mittelgewichtig, es fehlt insgesamt etwas der Ausdruck. Dann Château Giscours: vollreife Kirsche, gute Balance, süßliche Frucht, finessenreich und saftig. Wir kommen zu Château Rauzan-Segla: ansprechende Würze, aber auch leicht parfümiert. Voll, intensiv und nachhaltig.

Auf Château Palmer erwartet man uns mit dem Alter Ego (53% ML, 47% CS): sehr warmherzig und offen, Schwarzkirsche, leicht pflaumig, rund und weich. Punktgenaue Gerbstoffe! Schön! Der Grand Vin (40% ML, 52% CS, 8% PV) wird seinem Ruf wieder voll gerecht: leicht portweinartige Süße, gute Balance, sehr fein und ausgewogen, großartige Struktur, terroirgeprägt, sehr milde und geschliffene Gerbstoffe, klasse!

Wir erklimmen den Gipfel des Margaux auf Château Margaux selbst: Pavillon Rouge (63% CS, 33% ML, 3% PV, 1CF) bildet die Einleitung, gekochte Früchte, leichte Brombeere, sehr gute Balance, ausdrucksstark, angenehme Gerbstoffe, gute Balance, große Harmonie und enorm viel Substanz. Dann das Margaux- (86%CS, 8% ML, 4% PV, 2% CF) Finale: äußerst Cabernet-dominiert, Paprika, nicht ganz die erwartete Seidigkeit, dafür enorme Würze, Finesse und eine bombastische Frucht. Perfekte Balance, saftig, würzige Gerbstoffe, finessenreich und strukturiert. Großartig!

Zum Abschluss des diesjährigen Besuchs in Bordeaux wählen wir Château Latour: mit Pauillac de Latour (56% CS, 44% ML), dem Drittwein, schlagen unsere Herzen bereits höher: leichtes Parfüm in der Nase, wird vom Merlot getragen, gute Balance, saftig und ansprechend strukturiert, terroirgeprägt. Klasse. Les Forts de Latour (82% CS, 18% ML) macht sich mit Toffee in der Nase bemerkbar, auch Schokolade. Cabernet dominiert den Wein, leicht kernige Gerbstoffe, homogen, saftig und gut ausbalanciert. Und nun der vorerst letzte 2002er, Château Latour (74% CS, 25% ML, 0,5% CF, 0,5% PV) himself: grasiger Cabernet, Paprika, finessenreich, wie nur ein Premier Cru aus dem Medoc es zustande bringt. Massiv in der Frucht, trotzdem eine nahezu perfekte Harmonie, voluminös, nuancenreich, extrahiert und ein intensiver Abgang. Dabei natürlich, klassisch und terroirgeprägt, großartig!

Resümee:
Der 2002er Jahrgang ist KEIN 2000er, 1990er, 1986er, 1982er oder 1961er Jahrgang aber auch KEIN 1997er, 1992er, 1991er, 1987er oder 1984er, die Wahrheit liegt dazwischen und ist wesentlich differenzierter zu betrachten.

Vegetation:
Es ist schwierig, Jahrgänge miteinander zu vergleichen, da sich neben den messbaren phenologischen Werten die technischen Möglichkeiten und der Zeitgeist insbesondere in den letzten zehn bis fünfzehn Jahren drastisch verändert haben. Die spezifischen Charakteristika des 2002er Jahrgangs sind zum einen eine relativ kühle Blüteperiode, so dass die Rebstöcke verrieselten (ein Teil der Blüten stirbt aufgrund einer mangelhaften oder sogar ausbleibenden Befruchtung ab), und dem Ausbleiben größerer Hitzeperioden während des Sommers. Das Verrieseln führte bei einigen Weingütern zu einer Ertragsreduzierung von bis zu 50%, was zu einer erhöhten Nervosität der Chateaux-Eigner bei der Wahl des Erntezeitpunkt führte.

Vinifikation:
Nach einem relativ kühlen Sommer wurde der Jahrgang dann von einem äußerst warmen Spätsommer "gerettet", und die Weingüter, die früh ernteten, hatten durchweg mit sehr hohen Tanninwerten zu kämpfen. So ist es letztendlich der Coolness und Erfahrung vieler Weingüter zu verdanken, dass wir trotzdem noch eine stattliche Anzahl charaktervoller, authentischer und sehr guter Weine verkosten konnten. Doch nicht nur der Beginn der Lese war entscheidend, auch die weitere Vinifikation hatte einen wesentlichen Einfluss: Aufgrund der hohen Extraktwerte der Trauben war es essentiell wichtig, die Weine relativ kühl zu vergären, um nur ein Mindestmaß an Gerbstoffen zu extrahieren.

Preise:
Während diese Zeilen entstehen, hat die Primeurkampagne bereits begonnen, und der sich abzeichnende Trend zu fallenden Preisen bewahrheitet sich. Preisabschläge von 20 bis 30% setzen ein positives Signal! Wenn die Premier Crus des Medoc um die 100 EURO inkl. MwSt in Subskription offeriert werden können, ist das ein ausgezeichnetes PLV. Bordeaux hat die Zeichen der Zeit erkannt und senkt die Preise auf ein Niveau zwischen dem 1996er und dem 1998er Jahrgang. Da die Subskription nach wie vor der günstigste Weg ist, die Weine des Bordelais zu kaufen, ist dieser Jahrgang wieder interessant. Sicherlich brauchen Sie sich nicht so zu bevorraten wie mit dem 2000er, doch klassische 2002er Weine sind für jede Sammlung ein Gewinn.

Bewertungen:
Aufgrund des Irakkriegs ist Parker dieses Jahr nicht angereist, und so werden vorerst keinerlei Parker-Bewertungen zur Verfügung stehen. Daher erwarten wir mit Spannung die Veröffentlichungen von René Gabriel Anfang Mai, dessen kompetente Bewertungen gerade dieses Jahr an Bedeutung gewinnen werden. Die Bewertungen von James Suckling, Wine Spectator, sind grundsätzlich für uns schlüssig und nachvollziehbar, wobei sich das System der Punktgruppen als zu starres Gerüst erweist. Hierzu ein Beispiel: Château Lafite-Rothschild (95-100) sehen wir ebenfalls vor Château Latour (92-94), jedoch wird der Lafite nicht unbedingt ein 98, 99 oder sogar 100 Punkte-Wein werden. Nach unserer Einschätzung wird er in zwei Jahren bei etwa 95 bis 96 Punkten liegen, der Latour dagegen bei 93 bis 94 Punkten. Insofern ist es nach den Regeln des WineSpectator richtig, den Lafite-Rothschild in der besten Gruppe (95-100) zu positionieren, dies führt jedoch zu einer Verzerrung der Qualitätsunterschiede.


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