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Jahrgangsinformation 2005

Inhalt
Das Klima
Die Verkostungen der Weine des rechten Ufers (St. Emilion, Pomerol & Satelliten)
Die Verkostungen der Weine des linken Ufers (Medoc)
Zusammenfassung / Kaufstrategie


Das Klima

Bevor wir uns den Verkostungen in unserem Reisebericht widmen hier zunächst einige Beobachtungen zu den für diesen Jahrgang relevanten klimatischen Bedingungen:

Zusammenfassend konnte in der Periode von November 2004 bis Oktober 2005 48% weniger Niederschlag als im 30-jährigen Durchschnitt gemessen werden. Wie in Nordeuropa herrschte auch in Bordeaux ein langer und harter Winter. In der Zeit vom 28. Februar bis 2. März herrschten noch Tiefstwerte von -8°C. Mitte März 2005 setzte dann ein schneller und warmer Frühling ein, mit einer neuen Rekordtemperatur von 26,8° C am 20. März. Mit einigem Regen begann der Austrieb der Knospen – alles in allem ca. ein bis zwei Wochen später als regulär. April war zwar ein durchaus warmer Monat, aber auch der einzige Monat mit Niederschlagswerten über dem Durchschnitt. Das Wachstum wollte nicht so recht in die Gänge kommen, und am 21. April hatten einige Merlots gerade mal 4cm Wachstum zu Wege gebracht.

Verkostung im St. Emilion

Dann jedoch hatte Petrus ein Einsehen und sandte Anfang Mai ein Hoch mit Temperaturen bis zu 28°C. Der Rest des Monats war warm und vor allem trocken. 23. Mai begann endlich die Blüte. Dank der Hitzewelle Ende Mai (27. Mai 33,4°C) und den hohen Niederschlägen ging jetzt alles sehr schnell. Junge wie alte Reben, Merlot und Cabernet: Alle blühten in wenigen Tagen. Der Monat Juni war mit einer Durchschnittstemperatur von 22°C der zweitheißeste nach 2003 (23,1°C). An 21 Tagen des Monats zeigte das Thermometer mehr als 25° C an, an zehn Tagen sogar über 30°C. Dazu gesellten sich 270 Sonnenstunden – ganze 20% über dem Durchschnitt und weniger Niederschläge als 1947!

Zum Glück schwächten sich im Juli die extremen Bedingungen etwas ab, und der Monat bescherte den Reben weiterhin ca. 20% mehr Sonnenstunden, dafür aber weniger hohe Temperaturen mit fast keinem Niederschlag. Im nördlichen Medoc wurde nach kleineren Gewittern 25mm Niederschlag gemessen, während im südlichen Medoc sowie am rechten Ufer kein Tropfen vom Himmel fiel. Dies erklärt zumindest einen Teil der geringeren Erträge des rechten Ufers. Alles in allem ein Monat der Sonne anstatt der Hitze!

Am 17. August konnten dann ebenfalls 25mm Niederschlag in Graves und am rechten Ufer gemessen werden. Das Medoc musste sich mit drei Stunden leichtem Regen am 28. August begnügen. Zu diesem Zeitpunkt war die Veraison (Beginn der Traubenreife und Farbumschlag) bereits in vollem Gange.

Die Weißweine aus Pessac-Leognan waren zu diesem Zeitpunkt schon voll ausgereift. Haut-Brion konnte bereits am 24. August die Ernte beginnen. Zwischen dem 8. und 13. September verschlechterte sich das Wetter so, dass einige Schauer fielen – aber auch wieder zum richtigen Zeitpunkt. Die ersten Merlots wurden am 7. September auf Petrus und die letzten am 3. Oktober auf Pavie geerntet. Für eine launische Rebsorte wie den Merlot eine ungewöhnlich lange Ernteperiode. DER „richtige“ Erntetermin war individuell anders – die Natur hatte die Reben mit einer sehr guten Reife gesegnet. In der Woche des 26. September wurden die meisten Merlots wie die ersten Cabernets geerntet. Der Monat war warm aber nicht zu warm: 18,6°C Durchschnittstemperatur (im Mittel 18,1°C). Die ersten Oktobertage waren kühl mit frischen Nächten aber wenig Niederschlag und meist warmen Nachmittagen. Während die letzten Merlots geerntet wurden, war auch die Cabernet Ernte in vollem Gange. Lediglich eine Schlechtwetterperiode zwischen dem 12. und 18. Oktober benachteiligte die (zu?) spät gelesenen Cabernets. Die ersten Durchgänge der Sauternes wurden Anfang Oktober geerntet – wobei in der zweiten Oktoberhälfte nochmals ein starkes Hochdruckgebiet für Temperaturen bis 25°C sorgte – die letzten zehn Oktobertage waren die wärmsten seit dem Rekord aus 1921. In bis zu fünf Durchgängen war die Sauterne- Ernte Ende Oktober dann ebenfalls abgeschlossen.

Zusammenfassend lässt sich festhalten: Eine herausragende Anzahl Sonnestunden ohne zu extreme Temperaturen, genau ausreichende Niederschläge immer dann, wenn die Reben sie für die Entwicklung benötigte.

Die Ernte war abgeschlossen, und im Keller gärte nun ein Most, der es in sich hatte: sehr hohe Zuckerwerte mit leicht zu extrahierenden Tanninen. Schnell war klar, dass bei der Weinbereitung mehr Kontrolle als Manipulation gefragt war. Einige Weine kommen so auch auf sehr hohe Alkoholwerte, und um die Überextraktion zu vermeiden, stachen einige Winzer bereits sehr früh den Hut ab. Es galt die richtige Balance zwischen Tanninen und Alkoholwerten zu finden – und das gelang sehr vielen auf eindrucksvolle Weise! Dazu später mehr bei den Beschreibungen der einzelnen Weine selbst. Das Problem bei Jahrgängen mit sehr hohen Alkoholwerten ist die nicht enden wollende Gärung im Einzelfall. Hier kann die moderne Oenologie mit entsprechenden Hefen eingreifen. Allerdings sträuben sich die meisten Weingüter mit Recht gegen den Einsatz von Hefen – für legendäre Jahrgänge wie 1947 und 1929 standen diese Hilfsmittel schließlich auch nicht zur Verfügung, und die Weine sind trotzdem als die Monumentaljahrgänge in die Analen der Bordeauxgeschichte eingegangen.


Die Verkostungen der Weine des rechten Ufers

Établissement Moueix

Unser Verkostungsmarathon beginnt am Montag, den 3. April um 9.30 Uhr bei keinem geringeren Negociant als dem Etablissement Jean Pierre Moueix in Libourne. Den Anfang macht La Serre: Ziemlich „warm“ und offenherzig bis zugänglich präsentiert sich der Wein – hier sind die Weine genau richtig temperiert im Vergleich zu vielfach sehr kalten Mustern in noch kälteren Weinkellern. Leicht kalifornische Frucht, hat Biss. Guter Pomerolwert. Danach ein Bel-Air, dem etwas die Wucht zum Vorgänger abgeht. Dann geht es wieder etwas aufwärts mit einem herrlichen Magdelaine: Kakao und Anflug von Kokos, klasse vinifiziert. Lafleur-Gazin legt nach: noch fleischiger und von roten Kirschen dominiert. Dann folgt schon das erste Highlight mit Latour a Pomerol: Viel Eleganz, Seide, voll ausgereifter Merlot, viel Ausdruck, Saft und Kraft. Dann Certan de May: wieder die schöne Moueix/Pomerol Eleganz, aber dieses Mal ohne die Kraft und reichhaltige Struktur. Schöner typischer Pomerol. Dann La Fleur Petrus mit intensiver Schwarzkirsche bis Rumtopf, auch am Gaumen wieder leichter Rumtopf, voll und intensiv, viel Saft und Kraft, echt toll! Dann ein seidiges Micro Cuvee mit Namen Hosanna, viel Eleganz, und Töne von Schwarzkirsche bis Schokolade. Trotanoy beeindruckt mit seiner Struktur, sehr kompakt und maskulin am Gaumen, wieder viel Saft und Kraft mit Eleganz aufzeigend. Großartig. Dann um 10 Uhr Petrus: in der Nase sehr verhalten, am Gaumen dann Eleganz, Eleganz und nochmals Eleganz, dabei wunderbare Konzentration zeigend. Extrem reichhaltig und intensiv…Wahrlich ein Grand Vin, aber ob James Suckling dafür wirklich 100 Punke in den Raum stellen muss? Evtl. wären zwei bis drei Punkte weniger auch gerecht.

Nach diesem beeindruckenden Einstand machen wir uns auf den Weg zu Vieux Chateau Certan und sind weiterhin schwer begeistert. Aus 80% Merlot und 20% Cabernet Franc hat Alexandre Thienpont einen echten Wahnsinnswein vinifiziert.

Alexandre Thienpont

Generöse Frucht, mit Eleganz, Seide und einer enormen Kraft und Struktur. Der „perfekte“ Wein hier stimmt einfach alles! Hier haben wir erstmalig Gelegenheit den 2004er erneut zu verkosten. Der Jahrgang hat sich prächtig entwickelt – steht vielleicht 1-2 Punkte hinter dem 2005er!

Dann geht es zum Cousin und der zumindest vinologisch bekanntesten Pinie der Welt: Le Pin. Der Wein strotzt nur so vor Eleganz UND Kraft im Überfluss. Mächtig beeindruckend!

Mittlerweile zeigt die Uhr 11.30 Uhr, und wir finden uns bei Denis Durantou auf Eglise-Clinet ein. Den Anfang macht la Chenade: sehr stark vom neuen Holz bzw. dem Toasting der Fässer dominiert. Sonst schön reintönig mit Kraft und Ausdruck. Dann Les Cruzelles aus dem Lalande de Pomerol: reintönige Frucht, enorme Adstringens und intensiver Nachhall. Dann noch einige kleinere Händlerweine und schließlich zum Finale Eglise-Clinet – dieses Jahr erstmalig direkt aus dem Fass. Sonst hält Durantou den Wein immer in Flaschen bereit. Das Thermometer im Keller zeigt 14° C, und trotz der Kälte merken wir sofort: Hier schlummert seit langem mal wieder ein ganz GROSSER Eglise-Clinet. Enorm viel Kraft und Struktur, intensiv bis wuchtig, aber auch finessenreich und vor allem lang im Abgang! Lange keinen so guten Eglise Clinet mehr probiert. Der große Wurf für Denis Durantou.

Die Pinie vor Chateau Le Pin

12.15 Uhr finden wir uns bei Thunevin ein und beginnen mit La Dauphine, herrliche Fruchtsüße, fast schon marmeladig. Ungewohnt reichhaltig. Dann Clos St. Martin mit viel Eleganz und im Vergleich zu früheren Jahrgängen eine sehr zahme Version. Nicht ganz der Typus „Garagenwein“ der letzten Jahre. Quinault l’Enclos kommt ebenfalls mit viel Fruchtsüße daher und weniger Adstringens. Moderner St. Emilion mit Attitude. Clos de Sarpe bleibt dagegen dem “good old Thunevin-Style“ treu. Äußerst fruchtbetont und überschwengliches Cassis. Dann Clos Margalaine und Margalaine – die Thunevin Weine aus dem Margaux – bleiben dem Thunevin Style treu aber im Glas keine Spur der Appellation Margaux zu finden! Clos Badon - bei diesem Wein muss ich spontan an den letztjährigen Besuch im Napa Valley denken. Sehr kalifornisch mit einer enormen Primärfrucht. Auf seine Art beeindruckend intensiv und saftig. Dann das Meisterstück von Jean-Luc himself: Valandraud, voll ausgereiftes Traubenmaterial muss auch hier der Ausgangspunkt gewesen sein. Ein gewisse Eleganz und vor allem eine unbändige Kraft zeigend ist dieser Wein genauso wie wir ihn erwarteten. DER Garagenwein des Jahrgangs schlechthin! Zeit zum „verschnaufen“ finden wir keine – findet nebenan noch eine „kleine“ spanische Weinprobe statt: bei 2005er Pingus und 2005er Vega Sicilia Unico, Pintia und Alion kann unsere Zunge aber auch nicht zur Ruhe kommen.

Es geht weiter zu Château Canon-la-Gaffeliere. Silvio Denz hat kürzlich das Chateau Faugeres (Peby Faugeres und Cap de Faugeres) übernommen und gilt als guter Bekannter von Stephan Graf von Neipperg. So erklärt es sich dass die Weine von Faugeres hier ebenfalls zur Verkostung anstehen: wir beginnen mit einem herrlichen Cap de Faugeres, sehr warm und offenherzig, mit viel Attitude so lassen wir uns das Castillon gerne „schmecken“. Faugeres selber überzeugt mit seiner Stoffigkeit, dabei sehr gehaltvoll und intensiv bis wuchtig.

Gerard Thienpont

Dann zu den Weinen des Grafen:
Clos Marsalette sehr merlotdominiert – und der Merlot muss SEHR reif gewesen sein, „kalifornischer“ Rumtopf im Überfluss, etwas untypisch für die Appellation, aber interessant. Dann Aiguilhe aus dem Castillon, leicht dropsig wie auch kalifornisch in der Nase. Pflaumen und Kompott im Überfluss, viel Schmelz und ansprechende Struktur. Der herausragende Merlot dominiert den Wein. Mit dem Clos d’Oratoire erhalten wir den dritten Wein in Folge der dieselbe „Merlot-Handschrift“ trägt. Man scheint das „Unmögliche“ geschafft zu haben und alle Merlot-Parzellen zum selben Zeitpunkt unabhängig von Appellation, Ort und Zeit geerntet zu haben. Der Canon-la-Gaffeliere macht keine Ausnahme, wieder diese extrem reife kalifornische Merlot-Aromatik in der Nase, dieses Mal aber mit dem Charakter eines modernen St. Emilion vermischt. Am Gaumen groß bis beeindruckend, trotz der Überreife endlich mal wieder ein Ausnahme-Canon la Gaffeliere a la 1998er oder 2000er Jahrgang. Dann zum Abschluss ein massiver La Mondotte der noch in der Malolaktik steckte.

Der Terminplan drückt, trotzdem lassen wir uns einen kurzen Halt beim Circle Rive Droit nicht nehmen. Leider sind die Muster wie immer viel zu warm, das Umfeld (Luft und Atmosphäre) in einem Zelt mit gleißender Sonne für eine professionelle Verkostung gelinde gesagt nur suboptimal. Von den verkosteten Weinen konnten uns besonders Reignac, Marjosse, d’Aiguilhe Querre, Moulin Haut Laroque, Les Troix Croix, Villars und Fontenil überzeugen. Die Faustregel „kleine Weine in großen Jahrgängen“ hat sich hier wieder einmal bewahrheitet. Insbesondere gilt das für die Weine des rechten Ufers mit allen Satelliten sowie den Klasse Cru Bourgeois des Medoc und Haut-Medoc.

Es geht weiter zu Cheval-Blanc - wir beginnen mit dem Petit Cheval: aus 45% Cabernet Franc und 55% Merlot hat Pierre Lurton den Zweitwein „komponiert“. Sehr körnig mit viel Extrakt, aber auch äußerst fein bis elegant. Dann der Grand Vin selbst, sehr zurückhaltend im Glas, trotzdem viel Fleisch und Adstringens zeigend. Ansonsten aber eine launische Diva – der hohe Cabernet Franc Anteil des Cuvee (55% CF & 45% ML) zeigt sich hier wesentlich zurückhaltender als beim gleichen assemblierten Château Ausone. Die detaillierten Beschreibungen der Journalisten interpretieren wir eher als Potenzialwertung. Zweifelsfrei schlummert hier ein großer Cheval-Blanc, aber dass er so hoch an der Maximalbewertung kratzt, sehen wir noch nicht. Die Arrivage wird ein konkreteres Bild zeigen.

Dann erklimmen wir sowohl geographisch wie vinologisch den Olymp des St. Emilion: Château Ausone.

Alain Vauthier „begrüßt“ uns mit einem Fonbel, der es bereits in sich hat: sehr stoffig und saftig mit viel Kraft und Extrakt. Dann Moulin-St. Georges: DER St. Emilion par excellence, finessenreich, kraftvoll und intensiv bis wuchtig – sehr von der Frucht getragen.

Chapelle d’Ausone: noch stoffiger und mehr Extrakt, großartiger Wein bereits – die Spannung auf den Star der Verkostung wird immer größer. Dann ist er endlich im Glas – Château Ausone: bereits in der Nase entfacht der Wein ein enormes Bouquet. Am Gaumen dann eine überwältigende Frucht, dunkle Beerenfrüchte jeglicher Art, Nuancenreichtum par excellence – der Star der Appellation! Leider „nur“ Haute-Couture – die verfügbaren Mengen werden homöopathisch sein und der Preis wird schnell - dank der Amerikaner - in astronomische Höhen katapultiert werden. (K)ein Wein für Esoteriker?!

Chateau Pavie Fassmuster

Dann geht es an die Côte Pavie zu Gerard Perse und seinem beeindruckendem Wein-Portfolio: Den Anfang macht ein Castillon: Château Sainte Colombe, eine herrlich generöse Frucht, mit ansprechender Textur, viel Kraft und Adstringens. Kraft im Überfluss. (70% ML & 30% CF). Clos l’Eglise – ebenfalls aus dem Castillon: (70% ML, 15% CF, 15% CS) dezente Nase, dann am Gaumen aber eine ansprechende Süße, mit perfekt ausgereiftem Merlot, alles da – sehr ausgewogen und intensiv bis wuchtig. Dann ein „außerirdischer“ Pavie-Decesse – ganze 3,65 ha umfassen die Weinberge des Weingutes.
Aber die haben es in sich: tiefdunkel bis schwarz im Glas, am Gaumen extrem intensiv mit viel Zartbitterschokolade, sehr konzentriert und sicherlich verdient in den 90er Punkten. Aber auch ein typischer Perse/Rolland Wein – nicht geeignet für Freunde des klassischen St. Emilions! Mit Bellevue Mondotte folgt ein weiteres Micro-Cuvee (2ha) – legt nochmals zu, sehr viel Adstringens und trockene Tannine- DER Garagenwein schlechthin. Ein weiterer hoher 90er Kandidat. Pavie selber besticht weniger mit Extremen, dafür mit mehr Eleganz – falls man bei solchen Weinen von Eleganz sprechen kann/darf. Trotzdem ist der Wein so massiv wie ein Steinbrocken auf der ewigen Baustelle auf Château Ausone.

Nach so intensiven (auch körperlich anstrengenden) Weinen freuen wir uns auf etwas „weltlichere“ Genüsse auf Château L’Angelus (62% ML, 38%CF): Absolut groß, massive, natürliche Frucht, perfekt ausgereiftes Traubenmaterial, faszinierende Struktur mit Extrakt und Kraft. Dank des geringen Ertrages von 30hl wird sich dieser Wein wohl zu Recht einer großen Nachfrage erfreuen – die Bewertung von J. Suckling (92-94/100) empfinden wir zu als zu gering. Die Parkerbewertung (96-98+) ist da schon näher dran.

Der erste beeindruckende Tag nähert sich dem Ende, und wir statten wie jedes Jahr Château Masburel einen Besuch ab.

Den nächsten Morgen beginnen wir um 9.30 Uhr mit der ersten Union de Grand Cru-Verkostung auf Château Grand-Mayne. Erstaunlicherweise ist es relativ leer – die Mehrzahl der 5.000 angemeldeten Händler aus der ganzen Welt beginnt wohl im Medoc.

Mit Grand-Mayne starten wir – der „Kalibrierungswein“ kommt sehr ansprechend daher, leicht körnig mit einer gehörigen Portion Gerbstoffe – die 89-91 Punkte von Suckling gehen in Ordnung. Dann Clos Fourtet mit einer schönen Tabaknase vom neuen Holz, mittelgewichtiger Körper, legt mit Luft sehr gut zu! Figeac: sehr feine und reintönige Nase, am Gaumen sehr klassisch mit viel Schwarzkirsche – vielleicht etwas zu klassisch. Dassault besticht mit einer ansprechenden Struktur und wieder dieser Tabaknase, recht geschliffene Tannine mit guter Länge – das Muster ist leider etwas kalt. Cap de Mourlin kommt schön stoffig daher, tolle Textur, alles da, saftige Tannine, leichte Zartbitterschoko.

Gaffeliere besticht mit einem intensiven Tabakduft, der dem Wein gut zu Gesicht steht, dann eine sehr reichhaltige Frucht und ansprechender Körper. Recht harsche Tannine – ein Wein, der viel Zeit brauchen wird. La Dominique ist ausgewogen mit guter Länge, es fehlt aber etwas der Körper – ein zu kaltes Muster? Dann das absolute Gegenteil - ein dekantierter La Couspaude mit einer sehr reichhaltigen, tiefen Nase, Brombeeren und Cassis – alles da! Offen und warmherzig, am Gaumen dann auch sehr zugänglich mit trockenen Tanninen.

Weiter zum Angelus-„Gegenspieler“ Troplong Mondot, diese beiden Weine sind meist die Highlights dieser Unions-Verkostungsrunde. Recht maskuliner Auftritt, klassisch bis zurückhaltend, ziemlich trockene Tannine, aber man merkt dem ebenfalls sehr kaltem Wein seine außerordentliche Kraft und Struktur an. Echt groß! Dann ein ebenfalls genialer Canon, sehr aufgeschlossen, ansprechende Cassisfrucht, viel Eleganz zeigend, sehr ausgewogen mit schöner Adstringens und Kraft. St. Emilion at its Best! Belair etwas zurückhaltender in der Nase mit ausgeprägter Frucht. Beausejour Becot, ebenfalls sehr warm und offenherzig, mittlerer Körper, alles da, sehr sauber gemacht, aber wir vermissen etwas die Individualität.
Dann Angelus zum zweiten Mal – wesentlich zurückhaltender als auf dem Chateau selbst, Tags zuvor. Ansprechende Textur, aber längst nicht so hinreißend wie am Vortag, zum Glück hatten wir diesen Ausnahme-Angelus zuvor in Bestform erlebt! Damit ist die St. Emilion Verkostung auch schon am Ende, und es geht weiter zur Pomerol Dependance. Den Anfang macht hier Beauregard, sehr ansprechend mit der typischen Pomerol-Eleganz, nachhaltig, stoffig, immer wieder eine Freude! Dann mit Clinet bereits ein Highlight: geschliffene Eleganz, ansprechende Süße, Grand Segnieur mit Attitude, klasse! Ein berauschender La Conseillante, Tabak, und am Gaumen wie der Vorgänger sehr ansprechend und nachhaltig, Pomerol at its Best, viel Eleganz zeigend und schon erstaunlich „fertig“ für ein Fassmuster!

Dann ein dekantierter Evangile mit viel Schwarzkirsche in der Nase und ebenfalls erstaunlich zugänglich, von der Frucht getragen – lange keinen so guten Evangile mehr verkostet. Das Château gehört zu Lafite Rothschild, und der Equipe ist dieses Jahr endlich mal wieder ein großer Wurf gelungen. Klasse! Château Gazin kann ebenfalls richtig überzeugen: stoffig, legt unter Zugabe von Luft noch richtig zu. Sehr ausgeprägt und nachhaltig mit viel Kraft! Mit Petit Village geht es weiter: leichter Rumtopf, sehr vordergründige Frucht, fehlt noch am Unterbau, sonst aber klassische bis typisch. La Pointe hat sich in den letzten Jahren heimlich zu einem sehr zuverlässigen, typischen Pomerol entwickelt und steigert die Qualität von Jahr zu Jahr. Viel Volumen und Extrakt, klassische Pomerol-Eleganz mit Attitude, klasse!


Die Verkostungen der Weine des linken Ufers

Wir verlassen das rechte Ufer in Richtung Pessac-Leognan, um auf Château Olivier die nächste Unions-Verkostung in Angriff zu nehmen. Chantegrive macht den Anfang, sehr ansprechend und „warm“, gute Balance, offenherzig und zugänglich. Zartbitterschoko und saftige Tannine – klasse! Dann ein hinreißender Carbonnieux, steht fest im Glas, viel Adstringens, stoffig und eine „Bank“ wie ein La Pointe im Pomerol.

Domaine de Chevalier kommt saftig, mit einer sehr ansprechenden Struktur daher. Balance und Kraft im Überfluss vorhanden. Klasse! Dann Haut Bailly, klassisch bis elegant, viel Adstringens, körnig, legt mit Luft gut zu, sauber und saftig, alles da! Klasse! Dann Larrivet – sehr ansprechend, viel Saft und Kraft, ausgewogen und sehr harmonisch. Mit Pape Clement kommen wir dann zum absoluten Highlight: dicht und natürlich intensiv (nicht konzentriert), saftig und mit intensiver Struktur und betörender Tiefe. Für die lange Reifung ist dem Wein noch eine gehörige Portion Tannine mit auf die Reise gegeben worden! Der Petrus des Graves?

Dann ein einzigartiger Smith Haut Lafitte, der zwar nicht ganz an den Pape Clement heranreicht, aber trotzdem richtig viel Freude bereitet: sehr intensive Cassis-Nase, ausgeprägt und sehr reintönig am Gaumen, strotzt vor Kraft.

Wir folgen dann der „VIP-Einladung“ von Bernard Magrez auf sein Château Pape Clement. Hier präsentiert Magrez nicht weniger als 64 EIGENE Weine aus aller Herren Länder. Mit seinem Portfolio zählt er zweifelsfrei zu den ganz Großen in Bordeaux. Aufgrund eines Termin auf Haut-Brion beschränken wir uns auf die bekannten Namen und beginnen mit Magrez Tivoli: ein „Cuvee d’ Exception“, wie er diesen Medoc-Wein bezeichnet. Aus gleichen Teilen Cabernet Sauvignon und Merlot mit einem Miniertrag von 28hl keltert Magrez einen der besten Medoc-Garagenweine die wir verkosten. Sehr dicht und konzentriert, mit immenser Frucht und „Fleisch“ – eine Handschrift, mit der auch ein Jean-Luc Thunevin seine Weine kultiviert. Dann La Serenite: sehr modern & konzentriert, viel Fleisch, leicht kalifornisch, volle Frucht und saftig. Mit Magrez Fombrauge kehren wir kurzzeitig zurück ins St. Emilion. Aus 80% Merlot und 20% Cabernet Franc und lediglich 22hl Ertrag keltert Magrez hier einen „ab 18 Wein“ – wie für Parker gemacht, die leisen Töne gehen diesem Wein total ab, vielmehr ein „Biest“ mit einem Extraktgehalt, das den Gaumen mehr als fordert. La Tour Carnet kommt da etwas „zarter“ daher, hier gelingt der Spagat zwischen moderner Vinifikation und dem klassischen Terroirwein. Dann Fombrauge: tief und intensiv bis wuchtig, zwar ein moderner St.Emilion, jedoch mit einer guten Balance und einer gehörigen Portion Terroir, machen diesen Wein zu unserem Favoriten. Jedoch überflügelt der Pape Clement wieder alle, wie kurz zuvor auf der Unionsverkostung – ein Traum!

Fassmuster auf Ch. Haut Brion

Der nächste Termin auf Haut Brion naht, und wir machen uns auf den Weg. Wir beginnen vor Ort mit dem Zweitwein von La Mission = La Chapelle de La Mission: eine geschliffene Eleganz, viele dunkle und geröstet Früchte. Alles da, großartiger Wein für sich genommen, obwohl „nur“ ein Zweitwein. Die 90-92 Punkte von Parker sind verdient! Als nächstes empfiehlt sich der Zweitwein von Haut Brion = Bahans Haut Brion. Viel Schwarzkirsche in der Nase. Ebenfalls sehr geschliffen und wohlerzogen. Am Gaumen dann auch schon sehr nachhaltig. Beide Weine zeigen eindrucksvoll den Stil ihrer großen Brüder. Während La Mission sich eher fruchtdominiert und offen präsentiert, zeigt sich Haut Brion meist etwas aristokratischer. Wir kommen zum La Mission: sehr feine frisch gepflückte Schwarzkirschen in der Nase. Am Gaumen die fleischgewordene Frucht par excellence. Eine Blondine mit Samthandschuhen. Sehr reichhaltig, tief und intensiv…

Haut Brion besticht bereits in der Nase ähnlich wie La Mission mit einer ungemeinen Reichhaltigkeit, hier kommen aber noch Töne von Rumtopf hinzu. Momentan am Gaumen eher der ungeschliffene Diamant als der tiefere und reichhaltigere Wein – hier schlummert ein ganz großer Haut Brion! Die Anlagen sind sensationell, die Zwischentöne zeigen bereits in welche Richtung es geht… Wie bis auf sehr wenige Ausnahmen ist Haut Brion wieder klar vor La Mission – nur in absoluten Ausnahmejahrgängen und wenn das Schicksal es will, gelingt es dem La Mission, den Haut Brion zu überflügeln.

Cru Bourgeois Verkostung

Nach so vielen Ausnahmeweinen freuen wir uns auf ganz „bürgerliche Weine“ – die Alliance de Cru Bourgeois hat zur großen Verkostung geladen. Fast am Ende des Quai in Bordeaux in einem industriell geprägten Viertel findet in einem alten Industriebau die Verkostung statt.

Die Anzahl der hier angestellten Weine ist schlichtweg zu groß, um alle Weine zu probieren. Wir beschränken uns daher „nur“ auf die bekannten Namen:

 

 

+ Escurac sehr ansprechend, viel Saft und Kraft, sehr gut, wieder 18/20 von Rene Gabriel?
+ L’Inclassable sehr ausgewogen, stoffig, großes Potential, 18 Punkter?
+ Lousteauneuf kann zwar nicht ganz mithalten, trotzdem verdiente 16-17 Punkter?
+ Les Ormes Sorbet viel Pflaume, ansprechende Struktur, sehr wohlgeraten.
+ Patache d’Aux knüpft an den 2000er an!
+ Liversan Klassiker wie 2000!
+ Rollan de By hat viel Saft und Kraft mit einer gehörigen Portion Tannine!
+ La Tour de By kann ebenfalls an die Erfolge vergangener Jahre anknüpfen!
+ Agassac sehr gut, alles da, saftig, würzig, Grundlage für diesen Wein müssen perfekt ausgereifte Reben gewesen sein!
+ Aurilhac auf Augenhöhe mit Agassac – voll und intensiv, echt grandios! 18 Punkter?
+ Beaumont mal wieder sensationell gut, Kraft im Überfluss mit Attitüde. 18 Punkter?
+ Cambon la Pelouse - richtig saftig mit ansprechender Struktur, locker 18 Punkte!
+ Charmail – diesem Wein gelingt es tatsächlich aus dem durchgehend hohen Niveaus noch herauszuragen! Seit dem 2000er Jahrgang + durchgehend DER Cru Bourgeois schlechthin!
+ Saint Paul – der kleine „Bruder“ von Charmail - ebenfalls wieder wie der 2003er sensationell gut geraten – erst recht, wenn man sich den Preis von deutlich unter 10 Euro vor Augen führt!
+ Chasse Spleen – sehr ausgewogene Moulis-Frucht, saftige Tannine, ein 17 Punkter?
+ Mayne Lalande – Alles da, ein Traum!
+ Fourcas Hosten – Listrac-typische Aromatik, aber für die Appellation sehr elegant!
+ Clarke – best ever! Dem Rothschild Team ist es mal wieder eindrucksvoll, gelungen den besten Listrac zu keltern.
+ Poujeaux – eine Bank wie immer – fleischig, wuchtig!
+ Beau Site – sehr wohlerzogener St. Estephe mit Attitude!
+ Petit-Bosq – best ever?
+ Phelan Segur – sehr ansprechend strukturiert und gute Länge!

Nach dieser sehr umfangreichen Verkostung machen wir uns auf den Weg ins Medoc, um noch eine Unionsverkostung auf Château Cantemerle mitzunehmen. Diese war zwar erst für den nächsten Tag vorgesehen, da wir aber etwas vor dem Terminplan sind, ziehen wir die Gelegenheit gerne vor, um den nächsten Tag etwas zu entzerren.

Mit Maucaillou beginnen wir, viel Schwarzkirsche, gute Länge und Struktur, klasse. Poujeaux zum zweiten: sehr ansprechend mit viel Saft und viel Körper.
Dann ein hinreißender Belgrave, sehr, sehr intensive Frucht, leicht kalifornisch (sehr reifes Traubenmaterial), Rumtopf und ansprechende Textur. Dann ein superber Cantemerle, viel Schwarzkirsche und eine gehörige Portion Gerbstoffe, toll! La Lagune nach dem sensationellen 2003er unter neuer Führung wieder qualitativ ganz vorne. Hoffentlich bleibt der Preis „auf dem Boden“ – mit dem 2003er Jahrgang hatte man es preislich überzogen. Mit La Tour Carnet zieht wieder der Garagenstil ein – viel Extrakt und tiefe Frucht, mit einer ordentlichen Portion Adstringens. Dann ein herrlicher Greysac, sehr schöner Wert, alle Attribute des Jahrgangs, saftig, alles da, Rumtopf! Klasse!

Bei einem Händler probieren wir noch Sociando Mallet – was für eine Wucht dieser Wein hat, ansprechend, intensiv und wuchtig, ein absolut langlebiger Sociando schlummert da in den Fässern. Ebenfalls sehr außergewöhnlich gut geratener La Garde aus dem Pessac-Leognan: sehr tief, nauncenreich, saftig und kraftvoll, herrliche Symbiose der Terroirtöne und einer modernen Vinifikation. Laut WineSpectator genauso gut wie ein Domaine de Chevalier!

Der nächste Morgen beginnt um 9 Uhr auf Château Leoville Las Cases bei Monsieur Delon. Nenin aus dem Pomerol macht den Anfang: leicht trockene Tannine, viel Saft und Kraft, aber sehr elegant. Dann Potensac: fleischig, leicht parfümierte Nase, sehr stoffig, viel Saft und Kraft, schöne Balance und Power. Clos du Marquis: eine reichhaltige St. Julien Frucht, Cassis und sehr ansprechende Struktur, ein echter TOP-BUY! Dann der Grand Vin selbst, sehr reintönige Frucht, nicht so reichhaltig und saftig wie der 2004er- dieses Jahr viel mehr Eleganz, Struktur und Balance im Wein. Parker sieht den 05er einen Punkt vor dem 04er Jahrgang – eine spätere Verkostung beider Jahrgänge gibt sicherlich mehr Aufschluss.

Madame Borie

Es geht weiter zur Familie Borie auf das Chateau Ducru-Beaucaillou. Der Grand Vin Ducru- Beaucaillou hat mustergültig die typische St. Julien Frucht und Eleganz. Ansprechend strukturiert sehen wir den Wein auf ähnlichem Niveau wie den 2004er Jahrgang!

Wir bleiben im St. Julien und besuchen Lilian Sartorius-Barton auf Château Leoville Barton. Lilian ist durch und durch britisch und gibt sich sehr bescheiden, was ihre Weine angeht. Aber sie muss den Schalk im Nacken sitzen haben, beide Weine machen sich auf, den Olymp des St. Julien zu besteigen! Wir sind seit dem 2002er Langoa Barton von diesem Wein mehr als überzeugt. Und dieses Jahr ist mit dem Langoa erneut der GANZ GROSSE Wurf gelungen: eine sehr frische, ausgeprägte, nachhaltige und intensive Frucht mit einer mächtigen Struktur, dieser Wein macht bereits einem Ducru-Beaucaillou das Leben schwer. Die 95-100 von Suckling sind zwar etwas übertrieben, aber +/- 92 Punkte halten wir für angemessen! Eine ganze Oktave höher spielt erwartungsgemäß der Leoville Barton, die nahezu perfekte Symbiose aus der St. Julien-typischen reichhaltigen Frucht und einer finessenreichen Struktur ist dieser Wein dieses Jahr die Nummer eins des St. Julien – klar vor Ducru Beaucaillou und Leoville Las Cases! Bravo! Einzig allein die Verfügbarkeit dieses Wein gibt Anlass zur Klage – deshalb möchten wir darauf hinweisen, dass dieser Wein nur in kleinen Mengen im Rahmen einer Gesamtbestellung zugeteilt werden kann.

Lilian Bartons Dreamteam

Mit dieser Verkostung ist die erste Benchmark des Jahrgangs gesetzt und wir fahren gen Norden ins Pauillac. Wir beginnen auf Chateau Pichon Baron mit Chateau Pibran: wie immer ein großartiges Entrée, schöne Pauillac-Frucht, elegant, Saft & Kraft, klasse! Dann Pichon Baron selbst: eine ungekannte generöse Eleganz, aber fest zupackend, alles da, was man von einem großen Pauillac erwartet! Tief, betörend und kraftvoll - ein Traum!

Weiter zum gegenüberliegenden Nachbarn: Chateau Pichon Comtesse de Lalande. Der 2005er Pichon Lalande kommt wesentlich klassischer daher, hat nicht ganz die betörende Tiefe wie der Baron. Bei der Nachverkostung präsentiert sich aber der 2004er Pichon Lalande sehr sehr gut!

Dann müssen wir weiter zu Mouton-Rothschild und beginnen mit d’Armailhac 2005: Schön warmherzig, mit guter Balance, viel Frucht und schöner Adstringens. Die 90-93 von Parker sind aber sehr schmeichelhaft. Mit Clerc Milon geht es einen guten Step nach vorne, schöne Lange, ansprechend strukturiert, leicht körnig. Dann mal wieder die geschliffene Eleganz, wie sie nur den Premier Crus des Medoc zu Eigen ist, Ausdruck und Tiefe hinken jedoch etwas hinter der Eleganz hinterher – die 94-96 Punkte von Parker können wir nicht bestätigen. Vielleicht „verstehen“ wir den Wein aber auch einfach nicht – der neue Direktor, der bereits Branaire-Ducru zu altem Glanz verhalf, hat hier noch einiges vor sich.

Es geht weiter zu einer Unionsverkostung auf Haut Bages Liberal. Ein herrlicher Lafon-Rochet macht den Anfang. Sehr reifes Traubenmaterial muss hier Grundlage für diesen Ausnahmewein gewesen sein. Dann ein sehr ordentlicher Talbot – klassisch, mit Ausdruck und einer ansprechenden Struktur. Ein tiefdunkler Leoville Poyferre kommt als nächstes dran: wieder Rumtopf und St. Julien-typische tiefe Frucht, einzigartig und in jüngster Vergangenheit auf einem aufsteigenden Ast. Mit Gruaud Larose dann ein St. Julien Klassiker, nicht ganz so tief und intensiv wie der Vorgänger – trotzdem gut! Lagrange kann da noch einen drauf setzen, Struktur und Tiefe – alles da. Nun ein erstaunlicher Branaire-Ducru, dieses Chateau hat in der letzten Zeit die Qualität enorm gesteigert. Gute Adstringens, schöne Tiefe und Länge, gute Balance und intensiv, schön! Dann ein sensationeller Beychevelle, klassische St. Julien Frucht, opulent bis wuchtig/intensiv.

Verkostung auf Ch. Pichon Baron

Wir kommen zum Pauillac-Teil der Verkostung, Grand Puy Ducasse macht den Anfang. Klassischer Pauillac, aber sehr trockene Tannine, mittelgewichtig im Vergleich zu den Vorgängern. Vermag uns nicht zu überzeugen. Mit Haut Bages Liberal geht es aufwärts, sehr intensiv, viel Cassis, aber auch diese leicht konzentrierte Frucht, wie sie für die neueren Jahrgänge so typisch ist. Ein sensationeller Lynch Bages der Pauillac Klassiker mit Attitüde, voll, Saft und Kraft im Überfluss, Cassis und viel Power. Unsere interne Bewertung stimmt mit der von Parker überein! Mit Pontet Canet kommen wir zum Überflieger der letzten Jahre: dieser Wein begeistert, absolut tief, generös, intensiv und bestens strukturiert, mit Sicherheit einer der besten Jahrgänge Pontet Canet überhaupt. Der konstante Preisanstieg (bis 2004) bei diesem Wein steht noch im Verhältnis zur Qualität. So wie ein Leoville Barton im St. Julien oder ein Calon-Segur im St. Estephe ist dieser Wein der Pauillac-Wein mit dem besten Preisleistungsverhältnis.

 

Nun ist die Appellation Margaux an der Reihe: Brane Cantenac tut sich nach den saftig/fruchtigen Weinen des Pauillac & St. Julien etwas schwer. Ansprechende Margaux-Eleganz, aber eher zurückhaltend. Cantenac Brown ist etwas besser, aber die vorliegenden Bewertungen (RP&WS) treffen den Nagel auf den Kopf. Das erste Highlight: du Terte, sehr ansprechende Struktur, voll und intensiv bis wuchtig, knüpft an die Erfolge der vergangenen Jahre an. Dann der „große“ Bruder Giscours mit noch mehr Struktur und intensiver als du Terte, leicht körnig, ebenfalls intensiv bis wuchtig. Klasse! Nun ein „gleichwertiger“ Kirwan, viel Eleganz, stoffig und wuchtig. Mit Lascombes kommt unser Appellations-Favorit der Vorjahre an die Reihe: sehr stoffig, viel Cassis, sehr gut, wuchtig und intensiv – liegt klar vor Kirwan & Giscours. Malescot St. Exupery: wir waren etwas kritisch aufgrund der hohen Bewertung von James Suckling (95-100 Punkte). Aber der Wein ist in der Tat eine Wucht. Ansprechende Margaux-Eleganz, reichhaltige Frucht, Tiefe und Länge, viel Kraft. Best ever? Ein weiterer Margaux-Darling: Monbrison ist zwar nicht ganz so dicht wie der Vorgänger, vermag trotzdem zu überzeugen, sensationelle Struktur, Frucht und Balance. Alles da, was man von einem modernen Margaux erwartet. Dann probieren wir noch einen „außerirdischen“ Rauzan Segla, Schwarzkirsche, Cassis und Rumtopf, am Gaumen gute Länge und viel viel Kraft, aber auch stoffig. Bravo, John Kolasa - nachdem er schon Chateau Latour als Direktor mächtig nach vorne gebracht hat, führt er mit dem 2005er Jahrgang das Chanel-Weingut Rauzan-Segla wieder näher an die Spitze der Appellation. Wir lassen diesen ereignisreichen Tag im Restaurant „Le Saint Julien“ in St. Julien ausklingen.

Der letzte Tag ist der Creme de la Creme des Medoc vorbehalten: „Le Grand Final“ startet auf Chateau Margaux. Der Pavillon Rouge macht den Anfang, auch hier müssen perfekt ausgereifte Trauben Grundlage für diesen Wein gewesen sein. Eine ansprechende Struktur, viel Kraft und die Eleganz eines Premier Crus. Das Cuvee besteht beinahe zu gleichen Teilen aus Cabernet Sauvignon und Merlot, mit 14% Vol. Alc. alles andere als bescheiden. Der Grand Vin selbst wurde hauptsächlich aus Cabernet Sauvignon (85%) gekeltert. Die volle Margaux-Eleganz, sehr kraftvoll und nuanciert, wie es von einem Premier Cru erwartet wird. Intensiv bis wuchtig, aber auch unglaublich elegant und dicht strukturiert, vollkommen verdient der „König“ der Appellation. Absolut groß.

Der Innenhof von Ch. Latour

Es ist erst 10 Uhr morgens, und schon geht es zu Chateau Latour. Das Terroir von Latour gilt wohl zurecht als eines der besten des Medoc, auf der einen Seite in direkter Lage zur Gironde profitieren die Weine von der Kühle der Nacht, im Süden grenzt das Weingut an Leoville Las Cases – dies markiert auch gleichzeitig die Grenze zwischen Pauillac und St. Julien. Im Norden grenzt das Weingut an Pichon Comtesse Lalande. Mit Pauillac de Latour verkosten wir bereits einen Wein der Superlative, enorm tief, wuchtig und saftig, mit der typischen Latour-Eleganz sowie Anklängen einer St. Julien-typischen Frucht. Natürlich nicht so groß wie der Grand Vin, aber ein Wein zum Verlieben mit einem sehr attraktiven Preis! Leider ist dieser Wein nicht in Subskription erhältlich und wird nach Abfüllung nur in sehr geringeren Mengen an einen (!) Importeur in Deutschland geliefert. Da dieser Wein von Frederic Engerer bevorzugt in der weltweiten Gastronomie vertreten sein soll, muss der deutsche Importeur dem Chateau sogar nachweisen, in welchen Restaurants der Wein auf der Karte zu finden ist! Big Brother is watching you…

Fassmuster auf Ch. Latour

Mit Les Forts de Latour ein weiterer Wein, der dem außerordentlichen Latour-Terroir Rechnung trägt. Die Mischung der Pauillac- und St. Julien-typischen Terroirtöne ist genial! Viel Saft und Kraft, bereits sehr intensiv bis wuchtig, Bravo! Unsere interne Bewertung deckt sich mit der Parkers. Dann der Primus inter pares himself: Der wahre Grand Vin, absolut groß! Die pure St. Julien-Eleganz und -Frucht gepaart mit der Struktur und Stärke des Pauillac – ein Traum von einem Wein. Zweifelsfrei mal wieder der beste Medoc des Jahrgangs! Entgegen der Praxis vergangener Jahr lässt man uns nicht den 2004er Jahrgang nachverkosten – unserer Erinnerung nach wäre dies sicherlich ein sehr interessantes „Kopf-an-Kopf-Rennen“ geworden!

 

Fassmuster auf Ch. Lafite-Rothschild

Unser nächster Termin führt uns zu Lafite-Rothschild, und ein herrlicher Carruades de Lafite macht den Anfang, sehr stoffig, saftig, aber auch elegant. Viel Extrakt und eine vielversprechende Struktur. Dann ein Duhart Milon mit viel Substanz, Power und Extrakt, vielleicht ein Punkt besser als der Vorgänger. Entgegen Parker und Suckling sehen wir den Grand Vin selbst klar vor Mouton-Rothschild: feinste Zedernnoten, eine enorme Eleganz, viel Kraft und eine generöse Struktur. Nuanciert und eine fast berauschende Tiefe.

In Richtung Norden erwartet man uns auf Chateau Montrose. La Demoiselle macht den Anfang: sehr ansprechend expressive St. Estephe-Nase, sehr elegant am Gaumen und mittelgewichtig. Am Gaumen zuerst zurückhaltend, kommt dann aber mit Luft und Zeit aus seinem „Schneckenhaus“. Dann Montrose mit einer beeindruckenden St. Estephe-Eleganz und ansprechenden Struktur. Mit der Nachverkostung des 2004er Montrose bestätigt sich erneut die außerordentliche Qualität des 2004er Jahrgangs!

Fassmuster auf Ch. Montrose

Es geht weiter zu Cos d’Estournel – die pure Eleganz, nachhaltig und intensiv, alles da, typisch Cos mit schöner Länge. Momentan noch nicht ganz den Bewertungen entsprechend, aber eine phänomenale Struktur und Nuancenreichtum sind da. In Anbetracht des zu erwartenden Preises sicherlich ein kostspieliges Vergnügen. Wie wir am Rande bereits im Vorfeld erfahren hatten, hat sich das Weingut entschieden, mit 40 seiner 110 Negociants die Geschäftsbeziehung zu beenden!

Unser allerletzter Termin führt uns zu Madame Gasqueron auf Chateau Calon Segur. Aus 65% Cabernet Sauvignon und 25~30% Merlot wurde mal wieder DER St. Estephe gekeltert. Sehr reichhaltig, Schwarzkirsche/Cassis auf den Punkt, spitz, aber auch herrliche Eleganz zeigend, alles da, gute Balance. Ein Traum, absolut TOP!


Zusammenfassung / Kaufstrategie

Während diese Zeilen entstehen, kommen die ersten Preise auf den Markt, und die Preisentwicklung zeigt erwartungsgemäß wieder nach oben. Im Frühjahr diesen Jahres haben wir mit vielen Negociants aus Bordeaux gesprochen und hörten bereits von einem großen Interesse des amerikanischen Marktes. Viele Händler in den USA orderten extra noch 2004er Weine, nachdem sie diesen in der letzten Primeurkampagne außer Acht ließen, um ihre Allokationen für den 2005er zu verbessern. Das heißt: Ffür den fairen bzw. den erzielbaren Preis werden wir Europäer für die Chateaux nicht so gewichtig sein, da die zahlungskräftige Kundschaft aus den USA und Asien zu den großen „um-jeden-Preis-Käufern“ gehören werden.

Eine generelle Empfehlung für alle Kunden ist schwierig auszusprechen. Für die Sammler der großen Weine der Welt ist der 2005er Bordeaux sicherlich „the place to be“ – aber seien Sie auf zum Teil exzessive Preise gefasst. Die Qualität ist da, der Preis auf hohem Niveau, und die Weine werden sich bei der Arrivage wie bereits der 2000er sicherlich nochmals verteuern.

Im Bereich der Value-Weine bietet sich eine erstaunlich große Anzahl von Weinen zwischen 10€ und 50€ an. Vom bürgerlichen Gewächs aus dem Medoc über die Satelittenappellationen des rechten Ufers sowie die fairen Lieblinge a la Calon Segur, Leoville & Langoa Barton, Lascombes, Montrose, Monbrison, Pontet Canet etc. – hier ist eigentlich für jeden etwas dabei.

Bei uns werden Sie wie jedes Jahr eines der umfangreichsten Subskriptionsangebote Deutschlands finden. Wie in der Vergangenheit werden Sie aus +/- 350 Chateaux zu marktgerechten Preisen auswählen können. Sortimentsweine, die wir auch später führen werden, sind beliebig sortierbar und mit dem Gebinde „EINZELN bzw. 1x 0,75“, oder natürlich einem Vielfachen ausgewiesen. Alle anderen Weine bieten wir in den Originalgebinden an. Dies ist meist 12 x 0,75 in einer Holzkiste oder Karton, je nachdem, wie das Chateau die Weine ausliefert.

TOP-BUY:

Mit TOP-BUY kennzeichen wir Weine, die authentisch, terroirgeprägt und preislich attraktiv sind. Weine bei denen einfach alles stimmt und einem reuelosen Genuss nichts entgegensteht! Es werden sowohl die Klassiker als auch Newcomer damit gekennzeichnet.

HOT-BUY:

Mit HOT-BUY empfehlen wir Weine, welche die absolute Jahrgangsspitze darstellen, qualitativ zu den Besten der Region gehören, über hohe Bewertungen verfügen und das Zeug dazu haben, auch bei späteren Bewertungen von der Flasche vielleicht noch ein Pünktchen höher gestuft zu werden.


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